Wie in der Einführung bemerkt kennzeichnet die Lehre des Buddha die Lehre der vier edlen Wahrheiten sowie die drei/vier Siegel (je nach "Fahrzeug"). Mit "Fahrzeug" bezeichnet man umgangssprachlich die verschiedenen Aus- richtungen der buddhistischen Schulen, von denen es eine Vielzahl gibt. Die Schulen des "Kleinen" sind sehr individuell und auf die eigene Befreiung gerichtet, die des "Großen" streben nach der Befreiung vieler. Oder, zugegebenermaßen etwas sehr platt ausgedrückt: Wer mit dem Mofa fährt transportiert sich allein (zum Ziel, der Befrei- ung von allem Leiden), wer einen Bus lenkt, kann viele mitnehmen.
Das Theravada, die
„Schule der Ältesten“, ist die älteste aller buddhistischen existierenden
Traditionen. Die Theravadins führen ihre
Linie, auf die Mönchsgemeinde zurück, die, so ihre Aussage, als erste dem
historischen Buddha folgte.
Das Theravada zählt zum „Fahrzeug der Hörer“
(sanskrit: Shravaka-Yana oder Hinayana, dem Kleinen Fahrzeug).
Man findet diese
Tradition heute noch in Thailand, Sri Lanka, Birma und Laos
sowie Kambodscha.
Die Anhänger des
Theravada berufen sich auf die Lehrreden, die vom Buddha direkt überliefert sind. Kurz nach dessen Tod, so heißt es,
wurde ein Konzil von
Mönchen einberufen, die
alle Lehrreden des Buddha zusammenfassten und mündlich
memoriert weitergaben. Erst mehrere Jahrhunderte später wurden diese Lehren
dann in Ceylon auch auf Palmblätter niedergeschrieben. Dabei entstand der so
genannte „Dreikorb“ (sanskritTripitaka), in dem diese Lehren in drei verschiedenen
Abteilungen gesammelt wurden.
Zum einen
die Lehrreden des Buddha (die Sutra-Pitaka), die philosophischen Texte
(Abidharma-Pitaka) und die Ordensregeln (Vinaya-Pitaka).
Die Theravada Anhänger
betrachten nur diese Schriften als authentisch überliefert, was im Lauf der
Zeit schließlich zu einer Abspaltung (im Verlauf des dritten Konzils unter
Kaiser Ashoka im dritten vorchristliches Jahrhundert) von den Anhängern der
Lehre Buddhas führte, die auch Schriften als Buddha- Wort akzeptierten, die
nicht direkt von diesem abstammten sondern von, in ihren Augen ebenfalls erleuchteten,
Meistern verfasst wurden.
Das Ziel der Anhänger des
Theravada ist das Nirvana, das völlige Überwinden der Ich-Sucht und das
Verlassen von Samsara, des Kreislaufs
des Leidens. Wer diese
Ich-Anhaftung überwunden hat, wird auch ein „Arhat“ genannt, ein „Feind-Überwinder“. Der „Feind“ ist dabei die
beschriebene Ich-Sucht.
Der Antrieb im Theravada,
warum man Nirvana erreichen will ist dabei in erster Linie die Angst vor dem
Leiden und dem weiteren unendlichen Umher- irren im Kreislauf der Existenzen.
Der Theravadin hat die erste Wahrheit vom Leiden und die Ursache des Leidens klar erkannt und
strebt danach, alle Wünsche zu überwinden.
Das 1. Mittel gegen Begierde zum
Beispiel wäre demnach das Abschneiden derselben, indem man z.B. über die
Unreinheit und Vergänglichkeit des Körpers kontempliert.
Weil man darüber hinaus schließlich
erkannt hat, wie sehr man sich selbst schadet, in dem man anderen alle
möglichen Leiden zufügt, zieht man sich zurück und wird zum Mönch.
In der
Theravada Tradition ist es traditionell den Mönchen vorbehalten, Arhats zu
werden. Denn nur sie, so heißt es, können sich aus allem weltlichen
heraushalten und somit auch den Zustand der Leidensverlöschung erreichen. Was allerdings im gewissen Widerspruch zu den überlieferten Lehrreden steht, hat in diesen der Buddha selbst auch den so genannten "Haushältern" eben- falls das Potential der Befreiung zugebilligt. Was vom Theravada gern über- sehen wird ist auch die Tatsache, dass in den Buddhatexten schon vor der Einführung des Mönchsordens Menschen durch die Lehren Buddhas selbst Be- freiung fanden. Was im klaren Widerspruch zu den von den Theravadins auf- gestellten Behauptung, nur Mönche könnten dies, steht Und vor allem, was ebenfalls gern übersehen wird, sieht man auch Frauen nicht auf der richtigen Spur, dies zu können. Die früheren Nonnenorden gibt es heute in der Form nicht mehr, nur noch eine chinesische Linie erlaubt es Frauen, die volle Nonnenordination zu erhalten. Zwar steht auch im
Hinayana das Ideal der liebevollen Zuwendung zu den Wesen klar im Vordergrund.
Deshalb auch der Gewaltverzicht. Es geschieht allerdings auch im
Gedanken an die Ursache-Wirkungs Beziehung auf einen selbst. Man vermeidet also negatives Tun vor allem darum, weil man selbst Befreiung erlangen will. Was nicht herabwertend gemeint ist sondern an und für
sich schon ein großes Ziel, eine geradezu wunderbare Motivation ist.
Als der Buddha seine erste Lehrrede hielt, brach er allerdings auch radikal mit der ursprünglichen indischen Sichtweise. Nicht mehr ein "höheres" Selbst galt es zu erkennen, wie dies die Anhänger des alten Bramanismus und auch heute noch die Hindulehre vorsieht, sondern ganz im Gegenteil das Erkennen eines Nicht-Selbst. Auch die Lehre zu Karma hatte so eine gänzlich neue Definition. Nicht mehr eine Seele, die sich über die Leben hinweg weiterträgt gibt es zu beachten. Nur noch ein abhängig voneinander zu betrachtendes Ursache- Wirkungs Geschehen stand damit im Vordergrund der Betrachtung.
Unterschiedlich zu den
anderen „Fahrzeugen“ des Mahayana oder Vajrayana ist auch die Sichtweise auf
die Erscheinungsweise des Ich und der Phänome- ne. Im Theravada (wie auch in
allen anderen buddhistischen Traditionen) wird, gemäß Buddhas Lehre, eine
eigenständige, unabhängig dauerhafte „Seele“ als nicht vorhanden angesehen.
Dieses scheinbare „ich“, das Selbst oder eine Seele, das ja tatsächlich empfunden wird, existiert nur in Abhängigkeit zu den
Komponenten Körper, Empfindung, Unterscheidung, Impulsen aus Handlung und
Bewusstsein (den so genannten fünf Skandas oder Aggregaten).
Die Theravadins
untersuchen anhand dieser fünf Aggregate genauestens, wo ein Ich zu finden ist
und finden schließlich nichts als abhängiges Erscheinen.
Die äußerlich
wahrgenommene Welt wird dabei nicht so sehr in Frage gestellt, genauso wenig
wie ein wahrnehmender Bewusstseinsimpuls. Karma ist vorhanden, Samsara und
Nirvana ebenfalls, auch die Dinge scheinen so wie sie sind, zwar abhängig von
ihren kleinsten Teilen oder Bewusstseins- impulsen, nicht jedoch aus
sich selbst heraus und unabhängig.
Allerdings geht die
Betrachtung dieser Zusammenhänge bei den Anhängern dieser Tradition nicht tief
genug, wie spätere buddhistische Meister es nach- weisen konnten.
Man hat nicht die volle Erkenntnis der Tatsache erlangt, das letztlich nichts wirklich vorhandenes da ist, weder kleinstes Teilchen noch ein kürzester Bewusstseinsimpuls Dennoch beziehen sich
alle folgenden Traditionen und Schulen in ihren Grundlagen auf diese Sichtweise des „Fahrzeugs der Hörer“. Es wird jedoch weiterentwickelt und erforscht, bis zum heutigen Tag.
Bei den, ebenfalls dem
Hinayana zugeordneten, Pratyeka Buddhas handelt es sich um so genannte
Einzelerwachte, die, so scheint es zumindest, ganz ohne Lehrer aus dem
Leidenskreislauf Befreiung finden. Sie erlangen diesen Zustand über die
Kontemplation zu den zwölf Gliedern abhängigen Entstehens. Die Glieder abhängigen Entstehens sind: - Unwissenheit - Tatabsichten - Bewusstsein - Name und Form - Sinneswahrnehmungen - Berührung - Gefühl - Begehren - Ergreifen - Werden - Geburt - Alter und Tod
Der Pratyeka-Buddha durchschaut die unendlich scheinende Abfolge der immer wiederkehrenden einzelnen Glieder dieses Prozesses, durchschneidet dadurch die Unwissenheit und gelangt zum Zustand des Erlöschens der Ich-Illusion.
So scheint es, dass diese Menschen völlig ohne Lehrer auskommen. Doch dies ist nur vordergründig so. In früherern Leben müssen die Grundlagen für das Verständnis schon angelegt worden sein. Mit Hilfe eines Lehrers.